Elektrische Außenborder – Bootmotoren im Überblick

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Wir beantworten die häufigsten Fragen:

Nachhaltig, zeitgemäß und kraftvoll – mit elektrischen Außenbordern über die Seenplatte

Besonders in der Zeit von März bis Oktober lockt es viele Besucher an die wunderschönen und naturbelassenen Seen nahe der Ostseeküste. Hier wird ein wahres Paradies für Angler, Naturliebhaber und Ornithologen geboten. Auch Wochenendbesucher und Touristen komme stets auf Ihre Kosten um sich vom Alltagsstress zu erholen. Körper und Seele lassen sich bei Ausflügen im Norden Deutschlands auf und an dem Wasser wieder in Einklang bringen.
Die Gewässer entlang der Ostsee, sowie die Binnenseen sind aufgrund Ihrer vielfältigen Flora und Fauna sehr sensibel gegenüber äußeren Umwelteinflüssen. Darüber hinaus ist es bereits auf einigen Seen strikt verboten mit einem kraftstoffgetriebenen Motor zu fahren. Damit dieses Eldorado für Wassersportler und Naturliebhaber erhalten bleibt und deren ökologisches Gleichgewicht nicht ins Wanken gerät, empfiehlt sich der Umstieg von einem Verbrennungsmotor auf einen sauberen Elektroantrieb. Der Wechsel schützt den Lebensraum unserer Tier und Pflanzenwelt. Der emmisionsarme, leise Bootsantrieb sorgt dafür, dass scheue Lebewesen nicht sofort die Flucht ergreifen. Somit kommt der Wassersportler in den Genuss, zurückhaltende Vogelarten wie den farbenprächtigen Pirol oder den Bluthänfling beobachten zu können. Auch Biber und vorsichtig äsende Wildtiere am und im Wasser fürchten sich dann weniger und lassen sich ungehindert erforschen.
Ihr habt uns in letzter viele Anfragen zu dem Thema Elektro Außenborder gestellt, die wir gerne für Euch beantworten.

Benötige Ich einen Sportbootführerschein um ein Boot mit einem Elektro Außenborder zu betreiben?

Grundsätzlich gilt in Deutschland, dass Boote mit einer maximalen Motorisierung von bis zu 15 PS, umgerechnet also 11,03 KW ohne speziellen Führerschein gefahren werden dürfen. Dazu befähigt der amtliche Sportbootführerschein. Das Sportboot darf dabei eine Länge von 15 m nicht überschreiten (ohne Ruder und Bugspriet), ausgenommen sind Fahrzeuge die durch Muskelkraft oder mit einem Segel von höchstens 6 m² Fläche fortbewegt werden. Ausnahmen gelten auf dem Rhein, hier liegt die Grenze bei 3,68 KW (5 PS). Der Sportbootführerschein Binnen wird für die Antriebsarten Segel und Antriebsmaschine erteilt, diese beiden Arten werden in einem gemeinsamen Dokument bescheinigt. Die meisten von uns empfohlenen haben jedoch weniger als 15 PS und können somit führerscheinfrei gefahren werden, vorausgesetzt das Mindestalter von 16 Jahren ist erreicht.

Welche Leistung muss ein Elektro Außenborder mit sich bringen?

Technisch bedingt liegt das Drehmoment bei einem Elektromotor bereits mit der ersten Umdrehung direkt an. Anders hingegen verhält es sich bei kraftstoffgetriebenen Verbrennungsmotoren mit Selbst- und Fremdzündern. Bei diesen Ottomotoren gibt es eine Drehmomentkurve mit Anlauf, Ablauf und Spitze (siehe Abbildung), wodurch der Wirkungsgrad niedriger ist als bei Elektromotoren. Der Elektromotor ist aufgrund seines Wirkungsgrades leistungsgleichen Ottomotoren in der Beschleunigung also deutlich überlegen.

Die Angabe der Leistung bei einem elektrischen Außenborder ist häufig nicht klar und deutlich formuliert und kann deshalb beim Kauf zu Verständnisproblemen führen. Vorwiegend wird die Schubkraft in der Einheit lbs angegeben, welche für die Einheit „Pound force“ der angloamerikanischen Maßeinheit steht. Als Faustregel gilt: Pro 50 kg Bootsgewicht (voll betankt, mit Ausrüstung und mit Passagieren) sollte man sich einen Elektro Außenborder kaufen, der mindestens 3-5 lbs Schubkraft erzeugt. Auch der Zweck der Fahrt ist entscheidend: Angler die bei schönem Wetter nur kurz wenige Meter zum nächsten Hot Spot fahren möchten, benötigen eine andere Schubkraft als die Angler, welche bei dem Vertikalangeln Ihr Boot gegen Böen und Wellen an einer bestimmten Position halten wollen. Wer zum Beispiel auf dem Peenestrom angeln möchte, sollte nach unserer Erfahrung nach einen mindestens doppelt so starken Elektromotor nutzen, wie jemand der mit einem baugleichen Boot im Peenekanal oder auf dem Malchiner See/ Kummerower See unterwegs ist.
Daraus ergeben sich folgende Empfehlungen (bei einer Ausfahrt mit normalem Gepäck):

  • min. 28 lbs Schubkraft ist geeignet für Boote bis 690 kg, max. Bootslänge 4,0 m
  • min. 30 lbs Schubkraft ist geeignet für Boote bis 780 kg
  • min. 40 lbs Schubkraft ist geeignet für Boote bis 1.100 kg, max. Bootslänge 4,5 m
  • min. 50 lbs Schubkraft ist geeignet für Boote bis 1.350 kg
  • min. 70 lbs Schubkraft ist geeignet für Boote bis 1.700 kg
  • min. 80 lbs Schubkraft ist geeignet für Boote bis 1.800 kg, max. Bootslänge 5,5 m
  • min. 100 lbs Schubkraft ist geeignet für Boote bis 2.300 kg, max. Bootslänge 7,0 m





Steht das geräuschlose Fahren im Fokus und soll die Geschwindigkeit nebensächlich sein, so kann man sich an den Tabellen der Motorenhersteller wie MinnKota, Talamex, Torqeedo, Motorguide, Zebco und vielen anderen orientieren.

Welche Kriterien sind außerdem entscheidend für die Schubkraft?

Länge des Bootes: Mehr Schubkraft und mehr Leistung des Elektromotors wird benötigt, umso länger das Boot ist. Lange Boote sind schwieriger zu manövrieren als kleinere Boote, deshalb benötigen diese mehr Schubkraft um in Gefahrensituation notwendige Manöver sicher durchführen zu können.

Aufbauten:
Wer schon einmal mit einem Kajütboot mit Persenning eine zugige Stelle passiert hat, der weiß was Windanfälligkeit bedeutet. Je höher die Bordwand, die prächtiger die Persenning und mehr Aufbauten ein Boot zieren, desto mehr Schubkraft wird benötigt.

Form des Rumpfes: Schlauchboote sind aufgrund ihres flachen Rumpfes sehr wendig, zeitgleich jedoch sehr anfällig gegen Abdrift bei auftretenden Böen, sodass dies durch zusätzlich Schubkraft ausgeglichen werden muss. V- Rümpfe, welche tief in das Wasser hineinragen sind robuster gegen seitliche Windabdrift, dies geschieht jedoch zu Lasten Manövrierbarkeit. Folglich bedeutet das, dass wesentlich mehr Triebkraft aufgewandt werden muss um das Boot auf der Stelle drehen zu können.

Kapazität der Batterien:
kleine Elektro Außenborder brauchen eine deutlich größere Batterie als ein Außenborder mit hoher Schubkraft bei gleichem Schub. Daher benötigt der Außenborder mit hoher Schubkraft weniger Strom als ein schwächerer Motor. Die größere Batterie bedeutet einen deutlichen Gewichtszuwachs, zudem übersteigen die Mehrkosten für die Batterie sehr rasch die Kosten für einen stärken Elektro Außenborder.

Kann der Elektro Außenborder im Salzwasser eingesetzt werden?

Nach  Salwassereinsatz  Motoren reinigen.

Wie bei allen empfindlichen Bauteilen empfiehlt es sich, diese nach Einsatz im Salzwasser/ Brackwasser zu reinigen. Salz oder Salzrückstände sollten entfernt werden, was bei leichten Elektromotoren unserer Ansicht nach keinen großen Aufwand darstellt. Salzwasser oder salzige Luft beschleunigen die Oxidation von Metallteilen und können somit die Lebensdauer von Elektro Außenbordern verringern. Sind Opferanoden vorhanden, so sollten diese regelmäßig geprüft und nach Bedarf ausgetauscht werden.

Wissenswert ist, dass bei einem Elektromotor die Kohlebürsten nach etwa 100 Betriebsstunden ausgetauscht werden sollten. Dies stellt jedoch für die meisten Bastler keine große Herausforderung dar. Ist es geplant den Motor künftig im Salzwasser zu verwenden, so ist unbedingt darauf zu achten, dass dieser entsprechend zugelassen ist. Einige Hersteller bieten besondere Salzwassermodelle an, ohne jedoch all ihre Motoren für den Salzwasserbetrieb freizugeben.

Wichtig: Wird ein Süßwassermodell im Salzwasser genutzt so ist damit zu rechnen, dass die Werksgarantie erlischt.

Welche Batterie wird benötigt?

Da Batterien und Akkus in großem Maße die Reichweite und Leistung des Elektro Außenborders bestimmen, sind sie in der gesamten Elektromobilität das Thema Nr.1 Jedoch eignen sich nicht alle Batteriearten für jeden Einsatzzweck. In der Regel bieten die großen Hersteller von Elektromotoren auch das passende Batterie oder Akkusystem für ihre Motoren an. So kann beispielsweise bei bestimmten Modellen von Torqeedo der Akku direkt am Motor aufgesetzt, oder aber ohne größere Probleme entnommen oder gewechselt werden. Der Vorteil dieser Bauart liegt in der Handhabe und des Platzbedarfes an Bord gegenüber anderen Motoren. Bei größeren Elektro Außenbordern empfiehlt es sich mit Batteriebänken zu arbeiten. Hier gibt es allerdings auch große Unterschiede im Preis, bei dem Gewicht sowie der Speicherkapazität. Das Angebot reicht von einer im Kunststoffkasten abgesicherten Batterie bis hin zur Lithium-Ion Batteriebank. Wir von Ostseekenner empfehlen nicht stets am obersten Leistungslimit zu fahren, denn das benötigt sehr viel Energie und führt zu einer schnellen Entladung der Akkus. Zudem raten wir ausreichend Sicherheitsreserven einzurechnen und das Zusammenspiel von Batterie und Akku vor der ersten großen Fahrt erst einmal auszutesten.

Kann auch eine Autobatterie für einen Elektro Außenborder verwendet werden?

Ja, es ist möglich eine 12 Volt Stromquelle mit entsprechender Kapazität zur Verfügung zu stellen. Es sollte jedoch darauf geachtet werden, dass die Lebensdauer der Batterie begrenzt ist und bei Nutzung stark zurückgeht. Autobatterien sind lediglich für sehr kurze hohe Ströme konzipiert, wie es beim Start eines KfZ erforderlich ist. Es kann also durchaus passieren, dass eine neue Autobatterie schon nach etwa 2 Jahren nicht mehr einwandfrei funktioniert. Sofern noch ausgemusterte Autobatterien vorhanden sind oder diese günstig beschafft werden können, ist es sinnvoll diese zuerst zu verwenden. Ist allerdings eine Neuanschaffung geplant, so wäre es angemessen gleich in einen Ladezyklenfesten AGM Akku oder Gel Akku zu investieren. Die Lebensdauer ist hier deutlich länger als bei einer Autobatterie.

Wird ein spezielles Ladegerät für meinen AGM, Gel- oder Lithium Ion Akku benötigt?

Selbstverständlich wird ein spezielles Ladegerät benötigt um derartige Akkus mit mindestens 14,4 Volt zu laden. Die Ladestation muss über eine IUoU Kennlinie und Ladespannung verfügen um eine Vollladung zu gewährleisten. KfZ Ladegerät im Niedrigpreissegment verfügen in der Regel nicht über eine IUoI Kennlinie und schaffen es folglich nicht den Akku voll zu laden. Es kann sogar zu Akkuschäden kommen. Beim Kauf eines Ladegerätes achten Sie bitte unbedingt darauf, dass es sich um ein IUoU oder IUU Ladegerät handelt.

Gibt es Nachteile der Ladetechnik eines vollelektrisch betriebenen Bootes?

Anders als beim schnellen Auftanken eines Verbrennungsmotors verhält es sich beim Elektroantrieb, denn hier zeigen sich die Grenzen eines vollelektrisch betrieben Bootes. Das Bottleneck lautet Ladezeit. Bei einem Elektro Außenborder kann es zum Teil einige Stunden dauern bis die Akkus wieder zu 100 % geladen sind. Es gibt bereits auch Schnell-lader ähnlich wie beim Akku des Mobiltelefons, die Wartezeit bis zum nächsten Angeltrip lässt sich somit erheblich reduzieren. Das Manko dieser Schnellladetechnik ist die Verringerung der Batterielebensdauer. Desweiteren sind die Stromnetze der meisten Marinas nicht ausreichend erschlossen. Einige Anbieter wie Torqeedo bieten bereits kleine Solarpanel an, um Freizeitskipper das Laden ihrer kleinen Akkus zu ermöglichen.

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Thema Reichweite: Wie weit komme ich mit meinem Elektro Außenborder?

Häufig trüben die maximal zurücklegbaren Entfernung sowie die hohen Ladezeiten den Spaß der E-Freizeitkapitäne. Aufgrund dessen ist wie auch zu Lande das Thema Elektromobilität auf dem Wasser ein Streitthema. Energieschlucker werden Motoren jedoch erst, wenn viel Schubkraft/viel Leistung und somit hohe Geschwindigkeiten abgefordert werden. Im Wassersport gilt wie auch auf der Straße, im effizienten Teillastbereich funktioniert Distanz machen am besten. Alle größeren Motoren sind mit entsprechenden Verbrauchs- und Statusanzeigen ausgerüstet, damit der Kapitän stets im idealen Bereich fahren kann. Torqeedo ist sogar schon einen Schritt voraus und bietet den Smart-Außenborder an. Motorstatus, Geschwindigkeit, Position, Reichweite (basierend auf Google Maps) und Verbrauchsanzeige lassen sich somit per Android App oder iOS App direkt abrufen.

Was sollte ich vor dem Kauf wissen?

Günstige Motoren für Einsteiger wie Motorguide R3, Rhino VX Series, Minn Kota Endura oder Haswing Osapian beieten jeweils bis zu 5 Vorwärtsgänge und bis zu 3 Rückwärtsgänge. Diese können über die Pinne am Kopf des Außenborders geschaltet werden. Es gibt somit 5 fest bzw. voreingestellte Geschwindigkeiten beim vorwärts manövrieren, von denen immer in einem festen Gang gefahren werden kann. Hochpreisige Ausführungen wie beispielsweise Minn Kota Traxxis, Motorguide Varimax oder Torqeedo Cruise bieten sogar eine Stufenlose Geschwindigkeitsregelung, somit ist man nicht auf einen Gang festgelegt. Neben diesen Besonderheiten verwenden einige Firmen auch verschiedene Materialien wie Edelstahl, Aluminium oder Glasfaser. Der Weltmarktführer Minn Kota bietet sogar Extras wie Fußpedale oder GPS Steuerungen.